St. Andreas Elbingerode/Harz
Geschichte

Grundansicht der St. Andreas Kirche in Lüttgenbodfeld


Zur Geschichte der St. Andreasgemeinde

Inhaltsverzeichnis
Gründung der Elbingeröder Gemeinde
Das kirchliche Leben in der Zeit bis zur Reformation
Elbingerode nach der Reformation
Die Wiederbelebung der katholischen Kirche in Elbingerode
Katholischer Gottesdienst in Rübeland
Gottesdienst in Elbingerode
Bau der Andreaskapelle in Elbingerode
Leben in der Elbingeröder Gemeinde
Elbingerode im neu gegründeten Gemeindverbund

Es ist zur Tradition geworden, daß Mitglieder der katholischen Gemeinde, des Gemeindeverbundes und der ev. Gemeinde einmal im Jahr zu den Resten der St.Andreaskirche nach Lüttgenbodfeld wandern. Am 30.November feiert die kath. Kirche das Fest des Hl. Andreas. Herr Heinrich Kramer von der evangelischen Gemeinde ist in jedem Jahr dabei und berichtet aus seinem Wissensschatz aus der Geschichte des Bodfeldes und der Gemeinde, deren Pfarrer vermutlich als erste die Elbingeröder Gemeinde geleitet haben.

Gründung der Elbingeröder Gemeinde

Dr.Paul Höfer schreibt in seinem Buch "Der Königshof Bodfeld": "Helmhold von Bosau (gest. um 1170) berichtet in seiner Slavenchronik, daß nach dem Jahr 1074 Holstein durch den Slaven Cruko aufs grausamste verwüstet und das Christentum verfolgt worden ist (man war bei der Christianisierung um 800 auch nicht gewaltlos vorgegangen), ohne daß die deutschen Fürsten, von ihrem Streit mit dem Kaiser erfüllt, ihn daran gehindert hätten. Damals haben sich mehr als 600 Familien vom Volke der Holsaten (Albinger, Elbleute) aufgemacht, sind über den Strom gesetzt und auf sehr langem Wege fortgezogen, um sich geeignete Wohnsitze zu suchen, wo sie der hitzigen Verfolgung entgingen. Und sie kamen in die Harzberge und blieben dort..."
Grundherr unseres Bodfelder Gebietes war das Stift Gandersheim, das einen Teil der Familien im Gebiet des heutigen Elbingerode ansiedelte. Seelsorglicher Betreuer wird zunächst der Pfarrer von St.Andreas in Lüttgenbodfeld gewesen sein. Nach 1000 verliert der Ort an Bedeutung. Teile der Dorfbewohner ziehen mit ihrem Pfarrer in das neu gegründete Elbingerode mit seiner dem Hl.Jakobus geweihten Kirche. Der Hl.Jakobus hat in Spanien missioniert. Seit dem 11.Jahrhundert entwickelte sich die Wallfahrt zu seinem Grab in Nordspanien. An den Wallfahrtswegen, findet man die Kirchen, die dem Hl.Jakobus geweiht sind. Für die Wallfahrer stand in Elbingerode eine Herberge. Der "Trockweg" durch den Harz war Teil eines solchen Wallfahrtsweges. Er wurde von den Wallfahrern bevorzugt, weil besonders im Frühjahr die Wege am Harzrand durch überschwemmungen schwer passierbar waren.
Dem Pfarrer von Elbingerode unterliegen jetzt neben der Betreuung der St.Jakobus-Gemeinde auch die von St.Andreas in Lüttgenbodfeld und die Kirche von Erdfelde. Bischof Vollrad von Halberstadt, zu dessen Bistum Elbingerode gehört, ermahnt 1258 die Gemeinde, den Pfarrer nach Lüttgenbodfeld zu begleiten wegen der Gefahr des Weges und des Schutzes seines Eigentums. Ein Tal unweit des Weges trägt noch heute den Namen "Schnapphahnsgrund". Der Bischof verspricht in seinem Ablaßbrief jedem für die Begleitung einen zehntägigen Erlaß der Buße für seine Sünden. Bis etwa 1300 werden in St. Andreas noch Gottesdienste für die dortige kleine Dorfgemeinde gehalten bis die Andreaskirche verfällt (abbrennt ?) und die letzten Bewohner nach Elbingerode ziehen.
Die Bischöfe von Halberstadt hatten vermutlich schon aus der Zeit der Gründung von Elbingerode dort keinen anderen Besitz als den Zehnten, den von jeder Gemeinde zu leistenden Beitrag für die geistliche Versorgung und für die Erlaubnis des Kirchenbaues. Zur Vereinfachung der Verwaltung war das Bistum Halberstadt in drei Archidiakonate (auch Bann genannt) eingeteilt, deren Vorsteher (Archidiakon oder Erzpriester) die Einsetzung und Aufsicht über die Pfarrer seines Bezirkes hatte. Elbingerode gehörte zum Diakonat von Utzleben. Dieser Ort lag zwischen Minsleben und Derenburg, und seine Kirche zählte zu den ältesten Missionskirchen unserer Gegend. Mit ihrem Untergang dürften auch viele Unterlagen über die Priester von Elbingerode verlorengegangen sein.

Das kirchliche Leben in der Zeit bis zur Reformation

Dazu schildert Rektor Lindemann in seiner Chronik den religiösen Alltag mit Glockengeläut zu Messen und Andachten wie wir ihn noch heute in katholischen Gegenden erleben. Er beschreibt die feierliche Prozession am Fronleichnamsfest von der Jacobikirche zum ehem. Friedhof in der Rohrbachstraße wie sie bis vor wenigen Jahren noch in Hasselfelde stattfand. Er erwähnt den Brauch, auch vor dem Osterfest Lichter auf den Gräbern der Verstorbenen zu entzünden. Die Geistlichen dieser Zeit gehörten der Kalandsbruderschaft an, einer Gemeinschaft, die anfangs religiösen und wohltätigen Zwecken diente, später aber aufgelöst wurde, weil die Mahlzeiten bei den Treffen an jedem Monatsersten (lat.calendae) in Gelage ausarteten. Unter Kalendern versteht man noch heute in Polen das Sammeln von mildtätigen Gaben zu Neujahr, und auch das Sternsingen bei uns zum Jahresbeginn mag hier seinen Ursprung haben.

Genannt werden in Bezug auf einen Vorfall in Elbingerode die Geißler, eine Bruderschaft, die durch Geißelung des eigenen Körpers Sündenvergebung zu erwerben glaubte. Sie zogen auch durch das Harzgebirge, arteten aber hier unter Friedrich von Heldrungen, dem Besitzer von Elbingerode, in Räuber aus, welche die Gegend unsicher machten, bis ihr Anführer erschlagen wurde. 1349 verbot Papst Clemens VI. diese Bruderschaft, da sie andere kirchliche Bußen vor der Geißel zurückdrängte und durch ihre Ausartung die bürgerliche Ordnung störte.

1253 schenkte der Ritter Dietrich von Hartesgerode den Augustinereremiten des Klosters Himmelpforten bei Wernigerode ein Grundstück in Elbingerode, damit sie dort eine Einsiedelei gründeten. Infolge dieser Schenkung besaß hier das Kloster später (1490) eine Herberge und ein Terminierhaus. Dieses Haus diente der Erleichterung des Einsammelns der milden Gaben. Der Chronist nennt hier den Bruder Henning Smits (oder Smeths) von Himmelpforten, der bekannt ist durch sein Zeugnis von Andreas Proles, dem letzten Prior des Klosters Himmelpforten, und der von diesem als nahe bevorstehend geahnten Kirchenerneuerung. Bruder Henning hatte als Laienbruder auch die Aufgabe des Terminierens und übte dieses durch die Ordensregel gebotene Werk durch Aufsuchen der umliegenden Orte aus.
über Pfarrer von Elbingerode kann nur wenig geschrieben werden. 1417 nennen die Stiftsrechnungen von Wernigerode einen Geistlichen Bertold von Elbingerode. In Bezug auf die übertragung eines Gartens an der Theobaldikapelle wird ein Priester Hinric Elvelingerod genannt. 1516 borgen sich Graf Botho zu Stolberg und der Rat zu Elbingerode 100 Goldgulden vom Geistlichen Hildebrand Koch und verpflichten sich, die Zinsen für die Abhaltung von Messen zu zahlen.

1367 lädt der päpstliche Subsekutor das Kapitel zu St.Sylvestri und alle Pfründenbesitzer zu Wernigerode vor, sich wegen der ordentlichen Beerdigung des exkommunizierten Vasold von Elbingerode zu rechtfertigen. Wenn man hierzu bedenkt, daß z.B. 1453 der Bauermeister, Geschworene und zwei Brüder aus Heimburg wegen nichtbezahlter Jahresbeiträge an das Kapitel bzw. wegen Zinsrückständen exkommuniziert wurden, so möchte man schon nach dem Grund der Exkommunikation des Vasold von Elbingerode fragen.

1538 starb Botho der Glückselige. Unter seiner Regierung wurde das neue Schloß in Elbingerode gebaut. Von ihm sagt der Chronist, daß er bis zu seinem Tod der römischen Kirche treu geblieben ist.

Elbingerode nach der Reformation

Von 1535 bis 1545 wirkte als erster evangelischer Geistlicher Lucas Kruse in Elbingerode. In "Bürger, Bettelmönche und Bischöfe in Halberstadt" lesen wir: "Das Bistum Halberstadt war mit starken katholischen Restbeständen in das Kurfürstentum Brandenburg übergegangen, was mit dem Gesamtverlauf der Reformation in Halberstadt zusammenhing, die durch die vorsichtige Reformationspolitik der ersten evangelischen Bischöfe und durch die starke Stellung des Katholizismus im Domkapitel gekennzeichnet war. Hauptsächlich die Bettelorden nahmen in der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts die seelsorgliche Betreuung der Katholiken wahr. Während des dreißigjährigen Krieges und während der Pestepidemie leisteten die Bettelorden wahrscheinlich nicht nur geistliche Seelsorge, sondern sie boten der Bevölkerung konkrete Hilfe an."

Am 20.Mai 1628 wurde in Elbingerode ein kaiserliches Regiment mit 200 Mann einquartiert. Eine Betreuung der Soldaten durch katholische Geistliche mit katholischem Gottesdienst in der Jakobikirche ist nicht auszuschließen, wenn auch das Verhalten der Soldaten in der Elbingeröder Besatzungszeit nach der Beschreibung von Rektor Lindemann alles andere als christlich war. 1634 zogen schwedische Regimenter durch Elbingerode und beendeten spätestens zu diesem Zeitpunkt die kaiserliche Besetzung.

Weiter: "Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges lebten im Hochstift Halberstadt noch 2000 bis 3000 Katholiken bei 55000 Einwohnern. Im gesamten Territorium gab es keine katholische Pfarrei mehr. Die Ausübung der Seelsorgsrechte durch römische Geistliche ruhte gänzlich. Die in der Diaspora wohnenden Laien waren gesetzlich dem Pfarrzwang evangelischer Geistlicher unterworfen. Die bischöfliche Gewalt lag in den Händen des nun protestantischen Landesherren Friedrich Wilhelm (1640-1688) von Brandenburg. Als strenggläubiger Reformierter übte er aber nie Druck auf das Gewissen seiner andersgläubigen Untertanen aus. So war es den Ordensgeistlichen in Halberstadt gestattet, ohne Einschränkungen Seelsorge im Fürstentum auszuüben. Damit war in Brandenburg ein Beispiel der Toleranz gegeben, das bisher in allen Staaten Europas einmalig war. Zu den Seelsorgern, die schon seit Beginn der Reformationszeit an verschiedenen Orten der Bistümer Magdeburg und Halberstadt pastorale Dienste an den "restlichen" Katholiken versahen, gehörten auch die Franziskaner aus Halberstadt."

Herr Pfr.Peter Zülicke schreibt in seinem Beitrag: "Im Jahr 1667 wurde von Rom aus das Apostolische Vikariat des Nordens gegründet, dem auch die Katholiken unseres Gebietes zugeordnet wurden. Der letzte Apostolische Vikar des Nordens war der Paderborner Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg. Er faßte unser Gebiet 1811 verwaltungsmäßig im fürstbischöflichen Kommissariat des Elbe-Saale-Departements zusammen. Als ersten Kommissar ernannte er den Pfarrer der Huysburg Carl van Eß, der auch der letzte Prior des ehemaligen Benediktinerklosters war."

Das Bistumsarchiv Hildesheim teilte mir mit, daß "im Zuge der grundlegenden kirchlichen Neuordnung Deutschlands zu Beginn des 19.Jahrhunderts das Königreich Hannover 1824 mit dem Hl. Stuhl in Rom die Zirkumskriptionsbulle "Impensa Romanorum Pontificum" abgeschlossen hat, der zehn Jahre später ein Vertrag des Herzogtums Braunschweig mit Rom folgte. War der Bischof von Hildesheim bis dahin, seit Untergang des Bistums Halberstadt, in seiner Funktion als Apostolischer Vikar des Nordens für Ihren Raum bereits zuständig gewesen, so fiel ihm jetzt die definitive und reguläre bischöfliche Kompetenz für das gesamte Herzogtum Braunschweig zu."
Dazu schrieb mir am 23.1.2002 auch der Generalvikar des Bistums Magdeburg, Herr Theodor Stolpe, daß "die Zugehörigkeit von Elbingerode zum Bistum Hildesheim seit dem 26.März 1824 besteht. Das Gesamtgebiet von Elbingerode und den umliegenden Gemeinden gehörte damals zum Braunschweigischen und zum Hannoverschen."

Die Wiederbelebung der katholischen Kirche in Elbingerode

ist eng mit der Entwicklung in Blankenburg verbunden. 1873 setzte dort eine Zuwanderung von Katholiken ein, als verschiedene Unternehmungen z.B.das Eisenhüttenwerk in Blankenburg, die "Harzer Kalk-und Steinwerke" bei Rübeland, Arbeitsgelegenheit boten. Katholische Arbeiter aus dem Rheinland, Westfalen und Schlesien und selbst aus dem Ausland ließen sich in und um Blankenburg nieder. Ein in Rübeland geplanter Gottesdienst kam nicht zur Ausführung.
Die Anträge der Blankenburger Katholiken um einen eigenen, am Orte wohnenden Geistlichen, beziehen sich immer wieder auch auf die notwendige seelsorgliche Betreuung der Katholiken im Raum Rübeland. Die ab 1888 jährlich eingereichten Bitten an den Bischof wie an das Herzogliche Staatsministerium blieben ohne Erfolg. Auch einem für uns interessanten Antrag von 1900 wurde nicht stattgegeben. Bei Hermann Seeland "Die katholische Kirche im Herzogtum Braunschweig" lesen wir dazu: "Ferner sei auch die Einrichtung eines katholischen Gottesdienstes für die Katholiken in den Steinwerken und Kalkwerken bei Rübeland notwendig; auch die Gewerkschaft daselbst habe diesen Wunsch ausgesprochen und sich bereit erklärt, ein Lokal für den Gottesdienst zur Verfügung zu stellen." In der Ablehnung von 1901 wird sogar Elbingerode direkt genannt. 1905 befaßte sich auch der Reichstag mit dem erneuten Blankenburger Antrag, und jetzt wurde dem Ersuchen endlich stattgegeben.

Katholischer Gottesdienst in Rübeland

In Rübeland wurde zum ersten Mal von August 1907 an zweimal monatlich Gottesdienst gehalten, wofür die "Harzer Kalkindustrie-Werke" einen Raum zur Verfügung stellten.

Pfarrer Ostendorf schreibt in seinen "Beiträgen zur Kirchengeschichte des Harzes und der kath.Gemeinde in Wernigerode" 1908-09 dazu: "Traurig sah es zunächst im Osten und Süden meiner Gemeinde, im Braunschweiger Lande aus. Dasselbe gehörte zwar nicht zu uns; als nächstem Nachbar konnte mir die religiöse Verwahrlosigkeit aber nicht einerlei sein. Blankenburg hatte immer noch keinen eigenen Geistlichen (wurde von Halberstadt aus versorgt) und in Elbingerode-Rübeland wohnten ca. 200 bis 300 Arbeiter, um die man sich nur im Notfalle kümmerte. Beider Stationen wegen trat ich zum Bischof von Hildesheim (damaligen Generalvikar Bertram), zu dessen Diözese diese Gegenden gehörten, in Korrespondenz. Es erfolgte ein persönlicher Besuch. Und wenn auch die Besetzung Blankenburgs mit einem Geistlichen längst beschlossene Sache war, so kann ich ruhig sagen, daß ich den Stein wieder ins Rollen gebracht habe und diese Sache wenigstens beschleunigt habe. Oktober 1905 kam der erste Geistliche nach Blankenburg. Bezüglich Elbingerodes lenkte ich wohl zunächst mit Erfolg die Aufmerksamkeit der Hildesheimer Bischöfl.Behörde auf den dortigen Notstand und konnte noch etwas mehr tun. Als Weihnachten 1907 dort an einem Arbeiterhäuschen auf der Kalkhalde an der Rübeländer Grenze ein eigener Raum für den Altar u.s.w. gebaut wurde, da schenkte ich aus unserem Inventar einen Altar, der uns vordem auch geschenkt aber nicht zur Aufstellung gelangt war, eine Herz-Jesu-Statue, (a.a.O. auf Wernigerode bezogen: 1904 erhielten wir von dem Wiedenbrücker Bildhauer Hartmann die Mutter Gottes-Statue, 1905 von einer Dame die Herz Jesu-Statue und Weihnachten 1905 von Herrn Hötte die St.Josephs-Statue. Die Mutter Gottes- und St.Josephs-Statue bilden die Altarfiguren der Seitenaltäre in der neuen Kirche, während die Herz Jesu-Statue nach Rübeland in den dortigen Betsaal gekommen ist, wofür dann Herr Hötte eine neue Herz Jesu-Statue schenkte.) acht Kirchenbänke und einen Schrank. Heilige Messe wurde seit 1906 in Elbingerode-Rübeland von Blankenburg aus gehalten.

Gelegentlich einer Lokalbesichtigung in dieser Sache, war der Hochwürdigste Bischof von Hildesheim Dr.Adolf Betram auch in Wernigerode. Er besichtigte unsere Kirche und sprach seinen Beifall aus. In Sachen Elbingerodes hat Wernigerode sich also insoweit beteiligt, als es die Anregung zu einem eigenen Gottesdienste gab und später den Blankenburger Pfarrer unterstützte bei der Ausstattung seines Betsaales."

1911 wurde in Rübeland ein Grundstück für die in Aussicht genommene Kirche erworben, das aber 1924 vom Braunschweigischen Staat wieder enteignet wurde. Eine Begründung dafür wurde nicht gefunden.

Gottesdienst in Elbingerode

1938 schreibt der Blankenburger Pfarrer Schwedhalm in die Pfarrchronik: "Am 2.Januar machten wir den Versuch, in Elbingerode einmal einen Gottesdienst abzuhalten. Direktor Schneider hatte sein größtes Zimmer zur Verfügung gestellt und mit Krippe und Tannenbäumen glänzend ausgeschmückt. Erschienen waren 15 Katholiken u.z.alle aus Elbingerode... Nach der Hl.Messe wurde eine Taufe gespendet. Die Fahrt nach Elbingerode hat sich also gelohnt; es war bisher der erste kathol. Gottesdienst seit der Reformation." 1939 lesen wir:"Die Zahl der Gottesdienstbesucher am 1.Pfingsttage hatte 35-40 erreicht, ein schönes Zeichen für die langsame Verle- bendigung des dortigen Katholizismus." Durch die Evakuierung derWestgebiete zu Kriegsbeginn stieg die Zahl der kathol.Flüchtlinge in Rübeland (und Elbingerode) um etwa 200. Mit der Flüchtlingsseelsorge wurde für Hüttenrode, Rübeland und Elbingerode Franziskanerpater Onesimus Röwer mit Sitz in Rübeland betraut.

Die Chronik berichtet 1940:"Zur Pastorisierung der in Elbingerode, Rübeland, Michaelstein für die Kriegsindustrie angesiedelten schlesischen Arbeiter wurde am 16.August 1940 die Pfarrvikarie Elbingerode-Rübeland errichtet. Inhaber ist Pater Onesimus Röwer O.F.M. Er betreut in Elbingerode ca.150-180 Katholiken." Weitere werden für Rübeland, Michaelstein, Hasselfelde, Stiege und Albrechtshaus genannt.

"Um allen Anforderungen infolge des in Elbingerode angefangenen Eisenerzbergbaus für die Zukunft gewachsen zu sein, kauften wir ein Kapellengrundstück dortselbst an." Die Kirchenfinanzstatistik 1940 des bischöflichen Genralvikariats in Hildesheim nennt für die Seelsorgstelle Rübeland einen Kirchenbaufonds in Höhe von 15.664,69 RM. Zur Lage des Grundstücks und über einen Kapellenbau konnte nichts in Erfahrung gebracht werden.

Frau Schneider schreibt 1940 in ihren Aufzeichnungen zur Kirchenbauplanung:" Die Vorarbeiten zum Bau einer Kirche sind abgeschlossen. Merkwürdig sind die Wege, die der Heiland mir da zeigt. Seit Jahren bin ich in herzlicher Freundschaft mit einer protestantischen Dame verbunden, die an unserem katholischen Leben in der Diaspora regen Anteil nimmt. Auf diese Weise fand ich einen sehr geeigneten Bauplatz für eine spätere Kirche. Die Zahl der Katholiken hat sich zwar nicht wesentlich erhöht, aber nach dem Kriege besteht die berechtigte Hoffnung auf großen Zuzug. Die Eisenerzgewinnung in den nahegelegenden Gruben verspricht eine große Zukunft. Es sollen umfassende Siedlungsbauten vorgenommen werden, die ganz in der Nähe des besagten Bauplatzes liegen werden. 460 Familien aus dem rheinischen und dem oberschlesischen Gebiet sollen angesiedelt werden, die zum größten Teil katholisch sind. Die Verhandungen über den Kauf des Grundstücks laufen noch. Der Bauplatz soll RM 1600 kosten; die Größe beträgt ca. 4 Morgen."

Pfarrer Rudolf Breutel, Lazarettseelsorger im Mutterhaus, schreibt am 20.4.1945 in sein Tagebuch: "Mit dem katholischen Pfarrer begruben wir 4 Kinder, die im Kinderheim verstarben. Da der katholische Geistliche keine Ausgeherlaubnis hatte (sie war von den Amerikanern nur bis 18 Uhr festgesetzt), beerdigte er nur 2 katholische Soldaten." Deshalb wurden die übrigen 23 Gefallenen von Pfarrer Breutel allein in einem Massengrab beigesetzt. Durch den Zuzug der Vertriebenen aus dem Osten und aus dem Sudetenland war die katholische Gemeinde stark angewachsen. Der Bau einer Kirche bot sich zum damaligen Zeitpunkt an, wurde aber von Pfarrer Röwer nicht mehr ernsthaft erwogen, da er die Meinung vertrat, daß die Vertriebenen bald wieder in ihre Heimat zurückkehrten.

Pfarrer Röwer ist vielen Elbingerödern als CDU-Stadtrat der ersten Nachkriegsjahre bekannt. An seine Jugendarbeit im Ort wird gern gedacht. Die älteren Gemeindemitglieder erinnern sich ihres Pfarrers, wie er auf dem Motorrad mit seinem Rucksack, aus dem die Luftpumpe schaute und später mit dem ersten VW-Käfer im Ort, zu den Außenstationen fuhr. Pfarrer Röwer verstarb am 4.3.1961 in Elbingerode und wurde auf dem Friedhof seines Ordens im Sauerland beigesetzt.

Pater Innozenz von den Franziskanern in Halberstadt leitete die Gemeinde, bis Vikar Knobloch aus Wernigerode (jetzt i.R. in Magdeburg) und Frl. Fleischer die seelsorgliche Betreuung übernahmen.

Im April 1962 erhielt Pfarrer Egon Kiefer die Gemeinde. Seine Wohnung lag in einem Ausbau in der Scheune des Forstamtes Steinbachtal im Steinweg. Die Kapelle im Amt in der ehemaligen Wohnung der Fam. Schneider wurde geräumiger gestaltet.

Bau der Andreaskapelle in Elbingerode

Nach seinem Weggang übernahm Pfarrer Theodor Stolpe im Juli 1966 die Elbingeröder Pfarrvikarie.
Während seiner Amtszeit wurde das Pfarrhaus am Goetheplatz gebaut. Jung und Alt (allen voran der Pfarrer selbst) half tatkräftig bei den Bauarbeiten, beim Abriß der alten Scheune wie auch bei der Anlage der Abwasserversorgung. Die Friedhofskapelle wurde gepachtet und zu einer kleinen Kirche umgestaltet. Dazu Herr Generalvikar Stolpe: "Beim Bau waren neben den vielen Helfern aus der Gemeinde die Maurer Herr Karl Schmidt aus Elbingerode und Herr Dressler aus Rübeland tätig, ferner in "Feierabendtätigkeit" Maurer einer Tiefbaufirma, die den Anbau und die Verputzung ausgeführt haben." 1975 wurde die Kapelle durch Weihbischof Hubrich von Magdeburg in Vertretung des Bischofs von Hildesheim eingeweiht. Sie erhielt den Namen St.Andreas, den Namen der alten Kirche im Lüttgenbodfeld.
In dieser Zeit waren auch Mitglieder der Gemeinde in Arbeitsausschüssen tätig, die der Dresdener Bischofssynode zur Umsetzung der Beschlüsse des II.Vatikanischen Konzils zuarbeiteten.

Leben in der Elbingeröder Gemeinde

Nach dem Weggang von Pfarrer Stolpe 1976 übernahm Pfarrer Alfons Schäfer die Gemeinde. Er war im damaligen Komissariat Magdeburg für die Erwachsenenseelsorge und für die Seelsorge der Theologiestudenten tätig und leitete im Rahmen der "Aktion Sühnezeichen" einen polnisch-deutschen Freundeskreis. In der Gemeinde sorgte er sich um die ökumene. Er lud auch die polnischen Besuchergruppen zum Gottesdienst ein und gestattete ihnen Gesänge, Gebete und Lesungen in ihrer Landessprache. Die in den Harzer Kalk-und Zementwerken arbeitenden Mozambikaner wurden von ihm oft in ihrem Quartier aufgesucht und zum Gottesdienstbesuch eingeladen. Neben dem Polnischen gehörte auch das Portugiesische zu Sprache und Gesang im Gottesdienst. Vier Mozambikaner wurden von ihm getauft.

Im Herbst 1989 sprach er in der Jakobuskirche zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Schnee die ersten Friedensgebete und war Mitglied des "Runden Tisches" der Stadt Elbingerode. Pfarrer Alfons Schäfer verstarb nach langer, schwerer Krankheit am 18.5.1990 und wurde auf dem Elbingeröder Friedhof beigesetzt.

Sein Nachfolger war nach halbjähriger Vakanz Pfarrer UlrichKlytta, welcher der Gemeinde bis 1994 vorstand.

Ihm folgte Pfarrer Reinhard Doleschal, der die Gemeinde bis 2007 leitete. Seine Sorge galt besonders den älteren Gemeindemitgliedern, die er oft zu Hause oder im Pflegeheim besuchte. Zum Amtsbereich gehörte neben Hasselfelde auch Stolberg im Südharz. Anläßlich des Weltjugendtages 2005 in Köln weilte auch eine Gruppe Jugendlicher mit ihren Geistlichen in Elbingerode. Während einer feierlich gestalteten Kreuzwegandacht trugen die Jugendlichen ein Kreuz zur Ruine der Andreaskirche und stellten es dort auf.
Im November 2006 baute Orgelbaumeister Jost Truthmann aus Frankfurt/Oder in der Kirche eine neue Orgel auf.

Mit Gründung der Gemeindeverbünde im Bistum Magdeburg wurde Pfarrer Doleschal nach Jessen bei Wittenberg versetzt.

Elbingerode im neu gegründeten Gemeindverbund

2007

Im Jahr 2007 erfolgte die Gründung des "Gemeindeverbund" mit den Gemeinden Wernigerode, Ilsenburg und Osterwieck, Hesssen, Wasserleben und Zilly. Leiter des Verbundes ist Pfr.Winfried Runge, Wernigerode, und sein Kooperator Pfr.Gerhard Ernst, Osterwieck. Diakon ist Herr Rainer Schulze aus Ilsenburg. Frau Regina Schmoock ist Gemeindereferentin.

Jubiläums-Jahr 2008

Am 30. Mai 2008, dem Herz-Jesu-Fest, feierte die Gemeinde in einem großen Fest 70. Jähriges Jubiläum. Zu Gast waren Pfr. Clemens Hilchenbach (Vallendar), Pfr. Stefan und Markus Lorek, Pfr. Doleschal (Jessen) , Pfr. Klytta (Braunsbedra), Pfr. Ernst (Osterwieck), Pfr. Runge (Wernigerode), Diakon Schulze (Ilsenburg), Gäste der ev. Gemeinde aus Elbingerode, sowie zahlreiche Gäste aus unserem Gemeindeverbund. Nach einem Festhochamt wurde im Gemeindehaus am Goetheplatz ausgiebig gefeiert. Am 31. Mai wurde ein hl. Messe von Pfr. Hilchenbach (Vallendar) gehalten.
In Vorbereitung zu diesem Fest beschäftigten wir uns nochmals ausführlicher mit der Enstehung unserer Gemeinde. Dabei entwickelten sich Freundschaften zu einer Gemeinde im Rheinland, in Neviges (Marienwallfahrtsort). Von diesem Ort aus wurde Pfarrer Röwer, unser erster Pfarrer ausgesandt um das Gebiet von Elbingerode seelsorgerisch zu betreuen.
Am 4.Advent, 21.Dezember 2008 veranstaltete die Gemeinde erstmals in der Kirche ein "Adventsliedersingen bei Kerzenschein". Die Gemeinde bekam Weihnachten 2008 eine neue Weihnachtskrippe, welche von Mitgliedern des Seniorenkreises gebaut wurde.

2009

Am 30. Januar 2009 ludt die Gemeinde zu einem Gesprächskreis ein, mit dem Thema die "Arbeit des Hopizvereins Wernigerode e.V.". Ab Februar finden jeden Freitagabend eine Andacht "Zeit für ein Gebet" statt. Im Mai werden vom Bistum Magdeburg zwei Kommunionhelfer aus unserer Gemeinde ausgebildet.



Aus der katholischen Gemeinde in Elbingerode sind folgende Priester und Ordensleute hervorgegangen:
Schwester Elisabeth Rieger, Pfarrer Hans-Joachim Grams, Pfarrer Clemens Hilchenbach, Pfarrer Hans-Joachim Brand, Pfarrer Stefan Lorek und Pfarrer Markus Lorek und zwei Kommunionhelfer.


Wir gehen jährlich im Herbst zur Ruine der Andreaskirche im Lüttgenbodfeld zu einer kleinen Andacht. Einen Ablaß für die Begleitung unseres Pfarrers nach dort gibt es nicht mehr. Aber so eine Wanderung bei Wind, Regen oder Schnee ist kein Harzausflug. Wenn man dann den Rückweg bei zunehmender Dunkelheit durch unwegsames Gelände und auf morastigen Wegen wählt, wird so eine Wanderung zu einer echten Wallfahrt auf dem Pilgerweg des Hl.Jakobus.

Literatur:

  1. "Bürger, Bettelmönche und Bischöfe in Halberstadt"
    Herausgeg. von Dieter Berg, Werl 1997
  2. Tagebuchaufzeichnungen des Pfarrers und Lazarettseelsorgers
    im Diakonissenmutterhaus "Neuvandsburg" Rudolf Breutel
  3. "Alte Straßen um Bodfeld" von Walther Grosse, Wernigerode
    in "Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und
    Altertumskunde 75", Jg.1941/1942
  4. "Handbuch des Bistums Hildesheim" von Dr. Karl Henkel, 1917
  5. "Der Königshof Bodfeld", Dr. Paul Höfer, Wernigerode 1896
  6. "Urkundenbuch der Stadt Wernigerode bis zum Jahre 1460"
    Bearbeitet von Dr. Eduard Jakobs, Halle 1891
  7. "Bruder Henning von Himmelpforten..." von Ed.Jacobs
  8. "Geschichte der Stadt Elbingerode i.H." von Gustav Lindemann,
    1909 Verlag B.Angerstein
  9. "Eine Chronik der Stadt Elbingerode in tabellarischer übersicht
    von 1206 bis 1999" von Dittmar Marquordt und Günter Breutel,
    Elbingerode 1999
  10. Meyers Konversationslexikon (6.Auflage)
  11. "ützleben - ein mittelalterliches Dorf bei Derenburg"
    von B.Römmer, Darlingerode, in "Bodendenkmalspflege im
    Kreis Wernigerode" Mitteilungsblatt 6
  12. "Missionsgeschichte der Harzgebiete"
    von Dr. Joh.Christ.Gottlob Schuhmann, Halle 1869
  13. "Die katholische Kirche im Herzogtum Braunschweig"
    von Hermann Seeland, Pastor in Braunschweig, Verlag Steffen,
    Hildesheim 1909
  14. "Mit der Seele auf Reisen", Beitrag von Michael Storks in der
    CDU-Zeitschrift "Union" Nr.2/1999
  15. "Ein Impuls zur Erneuerung spaltet die Christenheit", Beitrag
    von Herrn Pfarrer Peter Zülicke, Staßfurt, in der katholischen
    Wochenzeitung "Tag des Herrn" vom 05.08.2001 und ff.
  16. Bischöfliches General-Vikariat in Hildesheim, Beleg Nr.2225/40
  17. Chronik der kath.Pfarrgemeinde Blankenburg/Harz
  18. Chronik der kath.Pfarrvikarie Elbingerode/Harz
  19. Festschrift zur 750-Jahr-Feier der Stadt Elbingerode, Harz
    vom 23.Juni bis 1. Juli 1956 u.leicht veränderter Nachdruck 1963
  20. Mitteilung des Herrn Dr.Thomas Scharf-Wrede, Direktor des
    Bistumsarchivs Hildesheim, vom 13.November 2001
  21. Ergänzungen und Berichtigungen des Herrn Generalvikars
    Theodor Stolpe beim Bistum Magdeburg vom 23.Januar 2002
  22. Pfarrer Ostendorf: "Beiträge zur Kirchengeschichte des Harzes
    und der kath.Gemeinde in Wernigerode" 1908-09
  23. Die Fotos im Anhang sind entnommen den Prospekten zur
    "Straße der Romanik".
    Der Grundriß "St.Andreas im Bodfeld" ist entnommen einer
    Zeichnung des Maurermeisters Schrader, Elbingerode, v.14.11.1871.
    (Harzbücherei Wernigerode Nr.zu Be 17)
    Der Grundriß "St.Paul in Seehausen" wurde mir von Herrn
    Pfarrer Seiler aus Seehausen/Börde zugestellt.

Rudolf Ermrich (im Sommer 2002, Ergänzungen 2003, 2006, 2007, 2008)

Gottesdienste:
Sonntaghl. Messe 08:30 Uhr
Mittwochhl. Messe 18:00 Uhr
FreitagAndacht 18:30 Uhr